Tag 26 – 04.06.2018 – Zebra Canyon – schnell rein, schnell wieder raus

Heute sollte es für mich kurz und schnell zum Zebra Canyon an der Hole-In-The-Rock-Road gehen. Ziemlich gerädert wachte ich in meinem Wagen am Visitor Center auf. Ein Mann lief um meinen Wagen und redete mit sich selbst. Ich machte kurz die Tür auf und sagte “good morning”. Er moserte nicht wegen mir – das war schon mal gut. Aber er wollte dennoch wissen wieso ich im Auto schlafe. Naja, long story short. Eigentlich war ich aber noch gar nicht richtig war und er ging mir gerade ein wenig auf den Nerv 🙂 

Die ganze Nacht war der Mond sehr hell, es waren kaum Wolken am Himmel. Entsprechend war auch mein Auto lichtdurchflutet und ich konnte nicht wirklich gut schlafen. Aber besser als gar nicht geschlafen zu haben. Ich stieg aus dem Wagen, holte mir eine Flasche Wasser und ging rüber ins Visitor Center, denn es war bereits geöffnet. Nachdem ich mir das Gesicht im Restroom gewaschen hatte ging ich zu einem der Ranger und fragte nach den Gegebenheiten auf der HITRR und im Zebra Slot Canyon, denn dort wollte ich heute hin. 

Am Anfang meiner Reise hatte ich den nämlich ausgelassen – aber ich wollte ihn unbedingt sehen. Den Tag den ich früher aus Moab abgereist war wollte ich noch unbedingt ideal nutzen. Völlig trocken sei der Zebra, so die Dame im VC. Na gut – perfekt. Da aber über 30 Grad vorhergesagt waren ermahnte Sie mich ordentlich Wasser einzupacken und die Haut zu bedecken. 

Auf der HITRR zum Zebra Canyon

Ich fuhr zur örtlichen Tankstelle in Escalante, tankte voll und holte mir im Subway ein Sandwich und zwei Flaschen Erfrischungsgetränke. Dann ging es flott und zielstrebig wieder auf die Hole-In-The-Rock-Road. Ich hatte es ja bereits mal erwähnt….es ist eine Hass-Liebe. So schön die Umgebung entlang der HITRR sein mag, so nervig ist es innerhalb mehrerer Tage am Stück diese teils ruppige Piste für bis zu 50 Meilen hinunter und wieder hinauf zu fahren. Jeden verdammten Tag, hinunter…und wieder hinauf. Beim nächsten Besuch erspare ich mir das definitiv – Da verzichte ich auf Duschen und Campground… da wird entlang der HITRR geschlafen. Egal wie sehr man dann mieft 🙂

Das schöne an meiner heutigen kurzen Tour zum Zebra Slot Canyon ist, dass man nur rund 13 Meilen aus Escalante heraus anfahren muss. Der Trailhead ist meist auch gut ersichtlich, da viele Autos an der HITRR geparkt sind. So auch heute, rund 5 Autos standen bereits am Parkplatz als ich ihn erreichte.

Zebra Slot Canyon

2.49 Meilen lagen nun vor mir. Mit allem bewaffnet was die Dame im VC mir riet (ist ja meist eh so dass man das als geübter Utah Hiker dabei hat) ging es los auf den Trail. Von Freunden wusste ich dass der Zebra Hike doch recht einfach ist. Ein Blick auf die Uhr – es war 10:55 Uhr.

Es geht zwar eine ganze Weile über feinen Sand etwas auf und ab durch das Grasland, aber es ist nicht sonderlich anstrengend, im Grunde immer gerade aus. Nach einer Weile kreuzt man in einen Wash. Entweder man läuft in ihm oder man läuft weiterhin den Trampelpfaden entlang.

Entlang des Washes
Entlang des Washes zum Zebra Canyon
 Entlang des Washes
Entlang des Washes zum Zebra Canyon

Ich entschied mich schnell für den festeren Wash, da ich hier recht eben laufen konnte und nicht immer wieder die sandigen Wash Hügel seitlich hinauf musste. Noch ging es einigermaßen mit den Temperaturen. Es war rund 11:35 Uhr als ich die ersten Fotos machte, rund 1.1 Meilen lagen hinter mir. Das erste Stück hatte ich somit erstmal nur Tempo gemacht. Das ging heute eigentlich ziemlich gut.

 ...immer noch im Wash.
…immer noch im Wash

Und dennoch suchte ich wo immer es auch ging bereits den Schatten. Das gestaltet sich auf dem Trail jedoch schwierig. Je nachdem wann man los läuft hat man keinen Schatten mehr – selbst nicht durch hohe Felsen. Und genau das war mein Problem – pralle Sonne, keine Wolken. Ich kam wirklich gut ins Schwitzen.

Nach 1.3 Meilen kam ich an ein Gatter das man leicht umgehen oder durchlaufen kann. Kurz zuvor fand ich eine Felswand die mir Schatten spendete. Meine erste 5-Minuten Pause. Nach dem Gatter wurde es eine schwierige Entscheidung. Folge ich dem sandigen Trampelpfad einen Hügel hinauf, oder folge ich dem noch feinsandigeren Wash ?

Das besagte Gatter
Das besagte Gatter
Tolle Linien im Fels
Tolle Linien im Fels

Na gut – ab in die Dünen. Hier kamen mir dann auch die ersten Leute entgegen – eine Gruppe von 6. Sie meinten nur “absolutely gorgeous, you will love it”. Und die Nebeninformation “no water and no snakes in there”. Das beruhigte mich. Bezüglich des Wassers kann die Rangerin mir ja Märchen erzählt haben – wer weiß von wann ihre Information von einem Wanderer kam ? Wenn das 3-4 Tage zuvor war und es mal doch einen Schauer gab, kann sich das Wasser hier länger im Slot Canyon halten als man denkt.

Hinter der Berg-und Talfahrt im Sand ging es wieder in den Wash hinunter – ich hielt mich aber rechts und durchquerte den Wash einmal damit ich auch die andere Seite gelangen konnte. Hier ging es zwar auch durch Sand, aber weitaus weniger schlimm. Zwischen Büschen und Gräsern fand ich meinen Weg. Was dann geschah werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen. Ein Schrei. Im Nirgendwo. Da kann man sich auch nur an den Kopf fassen wenn man das erlebt.

Da lauf ich da so durch die höheren Gräser, komm an Büschen vorbei, da kniet vor mir aber verborgen eine junge Frau um ihre kleine Notdurft zu verrichten. Da ich auf den Boden schaute als ich lief um zu sehen worauf ich trete, bemerkte ich das nicht. Erst als ich bei ihr war und sie mich hörte und mich sah schrie sie los. Ich sah nur kurz ihren blanken, wohlgeformten Po und zuckte wegen dem Schrei zusammen. Meine Herren, Herzinfakt beim Wandern – wegen sowas. Ich entschuldigte mich, konnte sie ja nicht sehen. Das ganze endete in einem kurzen Gelächter beiderseits. Ihr Mann war unten im Wash, ihn konnte ich auch nicht wegen der Büsche sehen.

Nach dem Schockmoment war ich froh dass es nur noch rund 300 Meter bis zum Eingang des Zebra Canyons waren.

Das könnte eng werden …

Endlich stand ich im Eingang des Slots – puh – es war 12:14 Uhr. Ich hatte somit 1 Stunde und 19 Minuten für die 2.49 Meilen (4,09 Km) gebraucht. Und in der Tat, kein Wasser. Ich kenne Bilder von Leuten die hier bis zur Brust im Wasser standen. Der Vordere Teil des Canyon ist tiefer als der “tolle” Teil – da wo alle hinwollen. Das Wasser sickert ohnehin schlecht ab – und dadurch dass man hier wie in eine Senke hinein läuft, ist es tiefer nach Regen.

Zebra Canyon
Zebra Canyon Eingang

Darüber musste ich mir zum Glück keine Sorgen machen. Ich holte die Kamera wieder hervor und machte Fotos vom Eingangsbereich. Die Wände des Zebra sind nicht all zu hoch, aber immerhin so zwischen 4-6 Meter. Nach nicht all zu vielen Metern wurde es enger und ich merkte schon wie der Rucksack an den Wänden schliff.

Zebra Canyon
immer noch im Eingangsbereich…

Allein für das erste Stück nach dem Eingang – was ja noch lang nicht der Blockbuster ist – hatte es schon gelohnt. Solche Wände sind der Grund warum ich mit Utah und Teilen Arizonas “so in love” bin. Es ging dann einen kleinen Dropoff hinunter, besser gesagt erst hinauf, dann runter. Denn ein Medizinball großer Fels war mitten im Slot eingeklemmt. Es gibt da kein Weg drum herum. Aber der war sehr schnell überwunden. Und dann, tsja. Es blieb mir nichts anderes übrig den Rucksack liegen zu lassen. Während ich noch meine Geldbörse und Handy (Wertsachen) aus dem Rucksack in die Hosentaschen steckte, kam mir ein junger Mann entgegen.

Ich sah wie er sich durch den Slot drückte. Hui….das ist ja mächtig eng. Und der Mann aus Holland war nun eher das Gegenteil von mir. Er lang und dürr, ich dick und kurz. Das konnte ja heiter werden. Ich ließ also den Rucksack hinter mir und ging nur mit der Kamera bewaffnet in den engen Teil des Slots. Nachdem das erste Stück geschafft war, machte der Slot einen kleinen Rechtsknick – man muss hier ein kleines Stück hinauf (60cm Drop).

WOW. Ich war da. Wände die die Welt bedeuten….für Fotografen. Das was Wasser und Wind, gepaart mit Sandpartikeln hier über Jahrtausende geschaffen haben, ist unvorstellbar. Ich tobte mich mit der Kamera so richtig aus. Von 85 Fotos zeige ich aber nur eine Auswahl … es ähnelt ja alles recht stark irgendwann 🙂 In 10 Minuten, um 12:30 Uhr betrat ich den Hauptteil des Zebra, bis 12:40 Uhr als ich dann genug hatte, machte ich 85 Fotos ! Bekloppt….

Zebra Canyon
Zebra Canyon – der Hauptteil
Zebra Canyon
Zebra Canyon – der Hauptteil
Zebra Canyon
Ein Teil eines Vogelnests
Zebra Canyon
Selfie-Versuch im Zebra Canyon

Es war herrlich. Auch diese Enge war atemberaubend…. wieso ? naja, das Foto kommt zum Schluss. Zwischen diesen Felsen zu wandeln, teils ein wenig mit Arm und Bein Einsatz zwischen den Wänden zu hangeln machte total Spaß. Und ich war völlig allein. Keine Menschenseele war in Sicht. Zum Glück ist der Zebra Canyon noch kein Opfer von Grafiti geworden. Überall sonst sieht man ja die Hinterlassenschaften von weniger intelligenten Menschen die ihre Namen oder anderen Mist in die Felswände kratzen. Sowas wäre hier wirklich eine Tragödie. Leider ist es verwunderlich dass es nicht hier auch schon passiert ist um ehrlich zu sein – wenn man rum kommt in Utah weiß man wieso…

Zebra Canyon
Ein Blick vom Ende des Slots zum Eingang
Zebra Canyon
Ein Blick vom Ende des Slots zum Eingang
Zebra Canyon
Traumhafte Felswände

Wie gesagt, rund 10 Minuten und ich machte mich wieder auf den Weg hinaus auf dem engen Slot. Tsja… und was ich mit “atemberaubend” meinte…nun ja. Seht selbst 😀

Zebra Canyon
Stuck in a moment you can’t get out of ….

Um 12:45 Uhr machte ich mich auf den Rückweg. Die umliegenden “Attraktionen” Moki Hill und Tunnel Slot (der oft unter Wasser steht) wollte ich heute nicht besuchen.

Der Rückweg und Escalante

Auf dem Rückweg machte ich keine Fotos mehr. Ich war nur noch darauf bedacht schnell aus der Mittagshitze (mein Wagen zeigte mir dann am Ende 34 Grad Celsius an) heraus zu kommen. Dass die Sonne nun höher stand war deutlich spürbar – und – es gab noch weniger Schatten. 

Ich aß und trank eigentlich genug. Daher sollte meine anschließenden Probleme nicht gekommen sein. Nach einer Meile, also kurz hinter dem Gatter bekam ich Schmerzen in meiner Schulter – wie so häufig. Das ganze endet halt in Schmerzen und es hindert beim laufen. Aber das war noch lang nicht das Problem. Denn nach 1.4 Meilen wurde mir schwarz vor Augen. Ich suchte mir schnellstens ein schattiges Plätzchen hinter einem großen Felsen im Wash um eine Pause einzulegen. 

Mit einem Auge schaute ich ständig ob sich irgendwelche Schlangen oder andere Viecher mir am Boden näherten, aß ich noch einen Apfel, einen Powerriegel und trank reichlich Wasser. Selbst nach 15 Minuten ging es mir nicht wirklich besser. Aber ich musste weiter. Langsam lief ich immer an einer kleinen Schattenkante entlang bevor es dann wieder über den Trampelpfad durch das Grasland ging wo nur an einzelnen wenigen Bäumen Schatten auf mich wartete. 

Zu meinem Erstaunen brauchte ich trotz der Pause nur 1 Stunde und 40 Minuten für den Rückweg. Ich fuhr nach Escalante zu den Outfitters. Aaron Crosby von den Outfitters (Escalante Outfitters) kam mir auf der Veranda entgegen “you again !?” … manchmal hab ich das Gefühl die sehen dort häufig bekannte Gesichter von Jahr zu Jahr immer und immer wieder. Ich fragte ob ich eine Dusche nehmen könnte. Mit Seife und Handtuch von den Outfitters bewaffnet ging es unter die wohlverdiente Dusche. Die war wirklich nötig.

Anschließend musste ich feststellen dass mein Handy nun wohl komplett kaputt war. Ich konnte mir nicht mehr mit dem Fingerabdruck oder über Pin Eingabe einloggen. Knapp eine Stunde versuchte ich zumindest irgendwie Daten zu retten 🙁

Da ich aber heute noch weiter wollte fuhr ich gegen 16:30 Uhr in Richtung Zion NP. Ich hatte keinen Campground gebucht, musste mir also ein Plätzchen irgendwo suchen. In Springdale wollte ich aber zunächst vernünftig essen und ging daher ins Brew Pub auf einen Burger und ein Bierchen. 


Daten zu diesem Tag

gefahrene MeilenEscalante
>Zebra Canyon Trailhead
> Escalante
> Zion NP (Springdale)

GESAMT:


12.8 Meilen (20,6 Km)
12.8 Meilen (20,6 Km)
127 Meilen (204 Km)

152,6 Meilen (245,6 Km)
gelaufene MeilenZebra Canyon

GESAMT:
5,08 Meilen (8,18 Km)

5,08 Meilen (8,18 Km)


1 thought on “Tag 26 – 04.06.2018 – Zebra Canyon – schnell rein, schnell wieder raus”

  1. Hallo Daniel,
    was für ein “Schicksalstag” . Bei der Suche über mehr Infos über den Zebra-Cyn. stießen wir auf Deine tollen Fotos und Deine herrlich lockere Schilderung.
    Deine Philosophie, Deine Ansichten, Handeln etc. – Nur schade, dass Du ziemlich weit weg wohnst. Aber weiß………..
    Nun kurz zu uns, den Weltenbummlern Hilde+Klaus aus München mit dem ewigen USA-Virus. Wir haben inzwischen über 110 Länder bereist.
    90% immer auf eigene Faust. Allein davon 17x die USA. Klingt verrückt, aber wir planen schon wieder für 2020. – 10 Jahre hatten wir ein eigenes Wohnmobil drüben in Phönix. – Waren oft 3-4x jährlich drüben. Haben aber wieder 12 neue Highlights in Südwest ( z.T. unbekannt.) auf unserer Liste.
    Dieses Mal mit Zelt + 4WD, und viele dirt roads.
    Wir präsentieren hochkarätige Erlebnisreisen-Schauen in München, früher in großen Sälen, seit 10 Jahren nur noch im kleineren Rahmen – eigene Reiseplattform.
    Der Grund : für jede Show benötige ich im Schnitt 4-5 Monate Arbeit, verreisen aber trotzdem noch 3x jährlich.
    Bin ständig bei neuen Reiseplanungen, bzw. Vorträge produzieren. (Das vielseitigste und kreativste Hobby der Welt.
    Zu unseren beliebten Highlights (Vorträge) kommen unsere Fans aus ganz Bayern angereist (auch Filmemacher vom TV)
    Es ist gleichermaßen eine Erfahrungsaustausch-Plattform über Reisen weltweit entstanden. (In privater, gemütlicher und geselliger Runde)
    Viele unserer unbekannten Highlights sind noch nie Im Fernsehen gezeigt worden.
    Fall dich das neugierig macht und mehr darüber erfahren möchtest, kann ich Dir mal entsprechende Infos schicken
    (email) oder einen USB-Stick per Post. Vielleicht kennst Du noch andere Gleichgesinnte und ihr macht einen gemeinsamen Trip nach München.
    Es grüßen die Weltenbummler aus München
    Hilde + Klaus Dolczewski

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