19.06.2019 – Tag 6 – Oh Tofino, du bist so wunderschön

Einer neuer Tag in Tofino begann, denn jeder weiß: MORGEN ist immer erst NACH dem Aufstehen !

Um 08:00 Uhr weckte mich mein Handy. Ich kann froh sein dass ich es überhaupt gehört habe, denn ich hatte es im Auto am Ladekabel und ich lag ja oben im Zeltdach. Die Nacht war ungewöhnlich. Denn zum einen war es sehr bequem, aber zum anderen pfiff der Wind nachts durch den Zeltstoff. Es ist nicht ein normaler Zeltstoff wie bei einem normalen Trekking-Zelt, sondern schon etwas deutlich robusteres – fester, härter, dicker, rauer. Ich hatte mich die gesamte Nacht hindurch tief in das Zudeck eingemummelt. Das dickere Plumeau hatte seine Sache gut erledigt. 

Wie schon am Vorabend bemerkt, war das mit dieser Leiter nicht das gelbe vom Ei. Bereits mitten in der Nacht musste ich einmal hinunter steigen um auf die Toilette zu gehen. Mit Taschenlampe zwischen den Zähnen, auf FlipFlops – die mir dann auf halber Höhe runter fielen – dann Barfuß die Leiter hinunter zu klettern…. es war fernab von optimal. Es kann aber natürlich auch sein dass ich mich sowohl nachts als es dunkel war, wie auch jetzt am Morgen, einfach nur sau dämlich angestellt habe.  Ob ich noch mit der Handhabung warm werde ? 

Da ich erst heute Abend duschen wollte, ging die morgendliche Pflege relativ schnell. Auch das Frühstück fiel eher im “to go”-Modus aus, denn während ich meine Sachen im Wagen wieder einigermaßen unterbrachte kam ich immer wieder an meiner Schüssel Müsli vorbei, von der ich mir dann jedes Mal einen Löffel gönnte. Mehr brauchte ich aber zum Glück nicht, da ich gar nicht so viel hunger hatte. Das Zelt auf dem Dach des Dodge muss leider immer richtig verstaut und gesichert werden. Es muss also genau in die Dachbox passen und man muss die Klemmen wieder fest schließen. Ein Öffnen der Dachbox während der Fahrt dürfte nicht so gut enden….

Aber so einfach ist das nicht. Aufgebaut (also popped-up) ist das Zelt schnell. Nur es alleine wieder in der Dachbox zu verstauen ist ein ziemliches Gefrickel. Hier wäre man zu zweit deutlich effizienter. Nachdem die Schüssel mit Müsli leer war, ich sie kurz am Wasserhahn ausgespült hatte und alles im Auto verstaut war, fuhr ich los. Meinen zweiten Holzscheit ließ ich im Feuerring zurück, ich komme ja nochmal zurück. 

Morgendliche Erkundungen in Ucluelet

Für knapp 20 Minuten und 23 Km ging es über den Pacific Rim Hwy in Richtung Südosten ins kleine Örtchen Ucluelet. 

Lerneinheit:

Ucluelet, ebenso wie Tofino, liegen auf der Esowista-Halbinsel. Während Tofino am Ende der nordwestlichen Spitze der Insel liegt, muss man um Ucluelet zu erreichen ganz in den Südosten fahren. Ucluelet bekam seinen Namen von den First Nations und bedeutet übersetzt “Sicherer Hafen”. Bei den First Nations hieß der Ort jedoch noch traditionell “Yu-cluth-aht” bevor der Name im englischen übersetzt wurde.

Von Ucluelet aus lassen sich zahlreiche Tagesaktivitäten starten. So sind beispielsweise Wale-Watching Touren hier sehr beliebt. Aber auch die Natur entlang der rauen Küsten und in den Urwäldern der Pazifikküste sind ein Abstecher definitiv wert. Mit nur etwas mehr als 1600 Einwohnern ist Ucluelet ein sehr beschauliches, kleines, altes, Fischer-Örtchen. 

Google Maps – Tofino / Ucluelet

Am Parkplatz des Wild Pacific Trail, oder auch des “Ucluelet Lighthouse Loop” angekommen, packte ich wieder immer die nötigsten Sachen in meinen Rucksack. Ein wenig grummelte mein Magen – hatte ich doch noch hunger ? Ein Apfel und zwei Powerbars wanderten ebenso in den Rucksack – man weiß ja nie. 

Mit dem Namen “Wild Pacific Trail” muss man ein wenig vorsichtig sein. Es ist nämlich ein zweiteiliger Trail der nicht ineinader mündet. Daher ist der Name “Lighthouse Loop” an dieser Stelle hier, am südlichsten Zipfel der Halbinsel, der richtige. Eine wunderbare Übersichtskarte gibt es hier unter dem folgenden Link auf wildpacifictrail.com (Zum zweiten Teil des Trails kommen wir später.)

Ucluelet Lighthouse Loop

Der Lighthouse Loop geht im Uhrzeigersinn den kleinen und zerklüfteten Buchten entlang. Die vor mir liegenden 2.6 Km sollten kein Problem darstellen. Bereits nach wenigen Metern durch den Wald kam ich direkt bis an die “Klippen” heran. An den wenigsten Stellen waren diese Klippen hoch – man konnte sich sogar einige Plätzchen zum Verweilen auf den Steinen suchen.

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Ucluelet Lighthouse Trail

Was soll ich sagen ? Was für ein geiles, kameraunfreundliches Wetter ! Strahlend blauer Himmel – bereits um 8:40 Uhr war die Sonne deutlich zu spüren. Nach nicht mal 10 Minuten zog ich mein Sweatshirt aus, denn es war einfach zu warm. Wie schon zwischen Victoria und Port Renfrew zu sehen war, ist es auch hier in Ucluelet unfassbar grün. Die naturbelassenen Wälder sind noch so ursprünglich wie noch vor 100 Jahren – Dank dem Nationalpark des Pacific Rim ! Doch komischer Weise ist genau dieses Stück hier in Ucluelets Südspitze kein National-Park Territorium. Auf Grund der in Ucluelet und Tofino lebenden Menschen ist es nicht möglich dieses Gebiet unter National-Park-Schutz zu stellen. 

Ich machte wirklich, wirklich viele Fotos. Das hier ist jetzt nur eine Auswahl. Gefühlt habe ich keine einzige der Bänke entlang des Trails ausgelassen. Für jede nahm ich mir ein Paar Minuten Zeit, setzte mich, atmete die Meerluft und die noch angenehme frische Morgenluft ein und schaute hinaus aufs Meer. Wie man auch gut sieht – dieser “Tick” mit den Vorhängeschlössern ist kein rein deutsches Phänomen. 

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Vorhängeschlösser…auch auf Vancouver Island

Nach knapp 25 Minuten kam ich am Ucluelet Lighthouse an. Klein, schön weiß und mit rotem Häubchen. Bisher hatte ich noch nicht viele Leute gesehen. Ein Paar Jogger, eine kleine Gruppe älterer Herrschaften – das wars. Vielleicht war es noch ein wenig früh, aber ich war froh bereits unterwegs zu sein und überwiegend für mich zu sein. 

Hinter dem Lighthouse wurde es dann landschaftlich ein wenig rauer. Der Wald war nicht mehr so dicht wie noch auf dem ersten Teilstück – es eröffneten sich immer wieder und weitaus mehr tolle Einblicke auf die schroffen Küstenfelsen und vorgelagerten Halbinseln. Der schönste Ausblick ergab ich für mich hier an genau dieser Stelle:

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Lighthouse Trail – ein wahnsinns Ausblick

Ganz nett fand ich dann eine kleine Gravur auf einer der Bänke. “Babsi” hat das ganz gut ausgedrückt, oder etwa nicht ? Amüsant dagegen war dieser provisorische Hinweis an der Absperrung. Mit meinem Bart… und den etwas mehr als drei Haaren auf der Brust ….wäre ich sicherlich als Bär durchgegangen. Leider war hier kein Durchkommen. Dass da nun “Wölfe, Bären und Pumas” stand, machte mich jetzt nicht sonderlich unruhig. Am Trailhead hatte ich kein einziges Hinweisschild hierzu gesehen – mein Bärenspray lag ohnehin im Auto. Ich hätte im Fall der Fälle höchstens meinen Apfel und eine Powerbar mit einem Bären teilen können, als Friedensangebot. Wegrennen war keine Option…. ich und Rennen….der war gut ! Ob Wölfe und Pumas an Powerbars interessiert sind ? Wer weiß ?!

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Barbara Schramms nette Worte
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Stop. Wölfe, Bären und Pumas only !

Nach 2 Km hatte ich genug. Ich hatte nun die Option noch zum Terrace Beach zu laufen, über einen Interpretive Trail (also mehr oder wenige “remote”), oder aber zum Auto zurück zu kehren.

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Ucluelet Lighthouse Trail – Inspiration Point

Von oben erschien mir der Terrace Beach nicht weiter interessant zu sein und somit lief ich zum Wagen. Generell hatte sich mein Grummeln im Bauch verstärkt – aber ich war nicht hunrig. Eher hatte ich ein unwohles Gefühl. 

Wild Pacific Trail – Artist Loop

Vom Parkplatz am Lighthouse Loop ging es rasch hinüber zum Browns Beach. Hier wartete der nächste Trailhead auf mich. Als ich am Ucluelet Community Centre vorbei kam (die schnellste Route zum Trailhead), musste ich jedoch kurz anhalten. Denn mitten im Örtchen – und hieran sieht man sie tief man hier doch in der Natur ist – standen junge Rehe und grasten. 

Wie erwähnt ist der Wild Pacific Trail unterteilt. Das Teilstück das ich nun laufen wollte war die Kombination aus Browns Beach und Artist Loop, insgesamt rund 5.5 Km. Aus der Karte der wildpacifictrail.com association kann man gut entnehmen wie sich die einzelnen Trails zusammensetzen. 

Google Maps – Vom Lighthouse Trail zum Artist Loop

Ich packte dieses Mal mein Stativ ein, in der Hoffnung dass ich ein Paar Langzeitbelichtungen an den Klippen machen kann. Rucksack wieder auf und los ging es. Im Grunde war es vom Erscheinungsbild relativ ähnlich zum vorherigen Lighthouse Loop – mit dem kleinen aber feinen Unterschied dass es nun doch ein wenig anstrengender wurde, denn es ging immer wieder für kurze Passagen rauf und runter. Ebenso kamen auf dem direkten Trail (es gibt noch einen innenliegenden Interior Trail für Rollstuhlfahrer und jene die nicht so fit sind) einige Broadwalks und Treppen hinzu. 

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Artist Loop
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Detailaufnahme auf dem Artist Loop

Meiner bisher guten Laune tat dies keinen Abbruch. Ich kam zwar deutlich mehr ins Schnauben, aber das war ok. Zumindest bis ca. nach 20 Minuten es in meinem Bein anfing zu stechen. Mein rechtes Bein verhärtete sich ein wenig und ich hatte Schmerzen. Ich entschloss mich dazu etwas langsamer zu laufen und bei der nächsten Gelegenheit auf einer Bank eine richtige Rast zu machen. Vielleicht würde es ja dadurch besser werden. 

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Artist Loop – ein Bänkchen im Schatten

Die rund 15 Minuten Pause taten wirklich gut. Ich gönnte mir mit dem Apfel ein zweites Frühstück, trank einen Kakao und ließ die Seele im Schatten dieser Bank einfach baumeln. Auf diesem Trail sind die Aussichtspunkte in der Regel mit Bänken bestückt – ebenso gibt es an etliche Stellen Plattformen von denen man eine weitaus bessere Sicht in die Buchten hat. 

Nach der Pause ging es auch wieder besser und ich lief wieder einigermaßen gut weiter. Auf den unzähligen Plattformen machte ich Halt, setzte mich einen Moment, genoss auch hier das Rauschen der Wellen. Um 12:30 Uhr herum schaute ich auf die Uhr. Ich war am letzten Aussichtspunkt angekommen und konnte nun zum Ancient Cedar Loop laufen, der nur knapp 900 Meter Umweg und 15 Minuten Zeit gekostet hätte. Es war zwar alles wunderschön, aber auch hier hatte ich nun genug, ließ den Cedar Loop aus und kehrte auf gleichem Wege wieder um. 

Um nicht wieder den exakt gleichen Weg nehmen zu müssen – der mir nun auf dem Rückweg weitaus steiler erschien, lief ich Teile vom Interior Trail. So sparte ich mir immerhin einige Höhenmeter und einige der Treppen. Da ich auf dem Interior Trail schneller unterwegs war, merke ich nicht dass ich nur Zentimeter davon entfernt war in einen frischen – sorry – Kackhaufen zu treten. 3-4 Zentimeter weiter links und ich wäre voll hinein getreten.

Hund ? Nein – sieht nicht wie Hunde-A-a aus. Cougar ? nein, zu groß – ist ja nur ein größeres Mietzekätzchen. Deer ? nein – dafür ist der Haufen viel zu groß. Während ich über dem Haufen gebäugt mit mir selbst philosphierte und debattierte, aus welchem ‘Bobbes’ das nun entfleucht sein könnte, kam ja letztlich nur noch der Bär in Frage. Da es “frisch” war, schaute ich mich erstmal gehörig und gewissenhaft um. Nichts zu sehen. 

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Artist Loop – oh shit !

Ich schaute mich nun wirklich ständig um. Hörte auf jedes Geräusch, jedes Rascheln in den Büschen. Was für ein dummes Gefühl das war ! Als der Interior Trail an einer Stelle wieder auf den normalen Rim Trail kreuzte kamen mir zwei ältere Damen entgegen. Ich erzählte dass da was rumlag und zeigte das Foto. “Oh yea, that’s bear poo”. Ja super. Die beiden kannten sich wohl aus, hatten aber auch kein Spray dabei. Sie seien ihm aber nicht über den Weg gelaufen – ich solle mir keine Sorgen machen.

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Artist Loop – Interior Trail

Nach 600 Metern am Rim entlang kam ich wieder an einer der Plattformen vorbei auf der ich vorher saß. Ein älteres Ehepaar saß in der Sonne. Ich warnte sie vor einem möglichen Auftauchen des Bärs. Aber die Dame hatte Bärenspray dabei – sie war gewappnet und auch sie machte sich wenig Sorgen. Ja toll ?!?! bin ich der einzige dem jetzt ein wenig die Düse geht ? Ich verabschiedete mich und lief weiter. Von der Plattform aus ging es nun etwas hügeliger weiter – ich lief den Weg hinauf, kam über die Kuppe in einer Kurve und sah von weiten schon den Bär.

30 Meter von mir weg, gemütlich spazierend mitten auf dem Trail. Ich blieb stehen und ein “shit” kam über meine Lippen. Was nun ? ich schaute links, ich schaute rechts. Büsche. Überall Büsche. Ich muss zurück zu der Plattform ! Ich habe keine Wahl. Also…Beine hin die Hand – schnell noch ein Foto gemacht – und dann ab dafür !

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Artist Loop – Ein Schwarzbär direkt auf dem Trail

Schnelleren Schrittes lief ich zur Plattform zurück – rund 60 Meter entfernt. Mit Angstschweiß auf der Stirn kam ich an und rief zu den Leuten “a bear….a bear”. Mittlerweile waren es zwei Ehepaare auf der Plattform. Einer der Männer “oh wow, where is it”. Er kam vor auf den Trail, schaute nach rechts und der Bär war nur noch rund 15 Meter entfernt. Schnell kam der Mann wieder auf die Plattform zurück. Wir fingen an laut miteinander zu reden – das mögen die Bären ja nicht so sehr. Wir sahen zu wie er tapsig und völlig lässig hinter den Büschen auf dem Trail entlang und zunächst an der Plattform vorbei lief. Dann stoppte er, kehrte 2-3 Meter um und kam auf die Plattform. Er streckte seinen Kopf um die Ecke – wir konnten ihn nun hautnah 10 Meter von uns entfernt sehen. Die Dame hatte ihr Bärenspray bereits griffbereit. 

Doch die Lautstärke störte ihn wohl. Er warf einen Blick auf uns, brummte etwas lauter und drehte sich wieder um und lief den Trail nach links weiter. OMG ! Mir war recht mulmig für eine kurze Zeit. Er hätte ja auch schon näher an mir dran sein können als 30 Meter – was wäre dann gewesen ? Die Kuppe und danach die Kurve war von meiner Richtung aus kommend nicht einsehbar. Ich hatte nun echt genug und verabschiedete mich von den beiden Ehepaaren, worauf mir aber eines der beiden folgte und mit mir lief. Den sicheren Schulterblick machte ich dennoch auf dem Rest des Weges bis zum Auto. Rund 25 Minuten brauchte ich noch um wieder am Parkplatz angekommen zu sein. 

Und ja – am Trailhead gab es hinweise darauf …. HIER oben links. Größer ging es wohl nicht… Nun gut. Meine erste Erfahrung mit einem Bären hatte ich nun – es konnte eig. nicht mehr schlimmer werden. Einen frischen Schlüpper musste ich zum Glück nicht raussuchen … 

Artist Loop – Trailhead Infotafel

Kurzer Stop am Long Beach Kwisitis Visitor Center

Es war nun kurz vor 13 Uhr als ich den Wagen startete und mich auf den Weg in Richtung Long Beach begab. Die an Ucluelet nahe gelegenen Florence Bay und Halfmoon Bay ließ ich links liegen. Letztlich muss ich mich für gewisse Dinge entscheiden weil einfach nicht alles machbar ist. Und es wäre einer von vielen Stränden gewesen und irgendwie kann man das Motto gelten lassen “kennste’ einen kennste’ viele”. 

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…raus aus Ucluelet

Aber ich konnte nicht widerstehen und musste mir an der Co-op Tankstelle im Ucluelet noch einen Schokoriegel, eine Gatorade und ein Eis kaufen. Das hatte ich mir jetzt verdient. Ich fuhr dann eisschleckend zum Kwisitis Visitor Center an der Long Beach Unit und schaute mich dort ein wenig um. Am Visitor Center Parkplatz angekommen klappte ich aber zunächst den Sitz nach hinten und versuchte ein wenig zu entspannen. Erst nach gut 40 Minuten stieg ich aus und lief hinüber ins Center. Ok, eigentlich hab ich mir die Ausstellung dort ein wenig angeschaut (First Nation Geschichte) und hab die Örtlichkeiten aufgesucht. Mehr auch nicht. Zum Fotografieren war es drinnen leider viel zu dunkel ohne Stativ – oder ich hätte auch ISO 3200 oder so hochgehen müssen – aber was solls. 

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Wickaninnish Beach
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Wickaninnish Beach – schöner Wellengang

So richtig happy war ich nicht. Vor allem dieser Loooooong Fucking Beach. Im Grunde ist der Long Beach nur der lange Teil wo mein Campground liegt (Green Point Campground). Südlich befinden sich noch der Combers Beach und Wickaninnish Beach, welcher bis zum Visitor Center reicht. Nördlich vom Green Point Campground geht der Long Beach weiter und mündet direkt in den Schooner Beach und die gleichnamige Cove. Zusammengefasst und bildlich illustriert. Ich hätte fast 15 Km am Strand zurücklegen können. Fünfzehn !

Long Beach Unit – 15 Km Sandstrand

Da dachte ich doch mal flott “ja nee, lässte mal sein”. Der spannendste Strand ist es zudem auch nicht – er ist lang aber mit wenigen Highlight (keine Seastacks, keine Potholes). Zudem pfiff hier am weiten offenen Strand auch gehörig der Wind, wie bereits am gestrigen Abend. 

Rainforest Trail

Anstatt stundenlang am Strand entlang zu laufen bat sich aber eine andere Alternative, der Rainforest Trail unweit des Visitor Centers. Wie auch die bisherigen Forest Trails ist auch dieser hier über Broadwalks und Treppen angelegt. Ein bisschen Auf und Ab kann ja nicht schaden. 

Um 14:15 Uhr lief ich auf den ersten der beiden kurzen Trails mit jeweils exakt gleicher Länge (1.01 Km) auf. Und wie erwartet gemäß den Infos die ich mir zuvor rausgesucht hatte – Broadwalks. Und zwar nicht zu knapp !

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Rainforest Trail

Ich fegte recht schnell über die Broadwalks, kam aber auch recht schnell ins Schwitzen denn es ging immer rauf oder runter, rauf oder runter. Hier die besten Eindrücke von den beiden schnuckligen Trails.

Long Beach Unit

Nachdem ich wieder im Auto saß ging es weiter zur Long Beach Unit. Es gibt einen Parkplatz wo meist viele Surfer anzutreffen sind. Hier wollte ich mich mal umsehen da ich wusste dass hier ein paar schöne große Felsen am Strand zu finden sind – das ist am Long Beach nämlich gar nicht so oft der Fall.

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Long Beach Unit

Dass hier viele Surfe waren sieht man ganz gut an den Fotos. Und ich merkte es auf den Parkplatz, denn es war nur gerade mal ein einziger Slot für mich frei. So richtig hat es mich aber auch hier nicht vom Hocker gehauen. Nach 20 Minuten verließ ich den Strand und fuhr weiter. Leider konnte man zu meiner Zeit nicht in die Schooner Cove, denn der Trailhead war wegen Construction Work gesperrt. Ich hätte höchstens einige Kilometer weit hin laufen können …. 

Radar Hill

Am Radar Hill gibt es lediglich eine schöne Aussicht von oben zu bestaunen. Ich bin da hinauf auf den Berg in den Wald gefahren weil ich das Straßenschild sah und dachte “ach komm, fahr einfach mal da hoch”. Die Aussicht war gut, aber viel hat man aufgrund der Bäume nicht gesehen.

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Radar Hill

Chesterman Beach

Erst am Chesterman Beach wurde es dann interessant – denn hier war es ein wenig kompakter und man kann auf einer großen Sandbank bis zu einer Halbinsel laufen. 

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Chesterman Beach

Das tat ich auch, obwohl mir der Wind die dadurch gefühlt niedrige Temperatur doch ziemlich zu schaffen machte. Ich war ständig darauf bedacht meine Kamera nicht ständig in den Wind und den aufgewirbelten Sand zu halten. es war sogar schlimmer als am gestrigen Abend auf der Long Beach Unit. Ich beeilte mich um über die stellen mit trockenem Sand zu kommen, denn auf feuchten Sand ging es dann wieder  – Wind war zwar da – aber kein Sand der fliegen gehen konnte. 

Meine Schuhe hatte ich vorher ausgezogen und hatte sie unter einen großen Baumstamm gelegt damit sie niemand sieht und mitnimmt. Langsamen Schrittes ging ich hinaus bis zur Halbinsel. Das Wasser war mir deutlich zu kalt. Ich lief im Sand ohne dass mich die Wellen ständig heimsuchten. Auf der Halbinsel namens Frank Island stehen zwei Häuser – die Insel ist somit Privatgrund und somit auch per Schild entsprechend geschützt. Ich bin natürlich nicht weiter als bis zum Schild gegangen und bin dann umgekehrt. Schon geil hier auf dieser Insel so ein Haus zu haben….  Hashtag: Wenn ich mal groß bin, kauf ich mir auch so etwas ! 

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Chesterman Beach – Frank Island
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Chesterman Beach

Ich wusste nun aber wo ich heute Abend mein Glück versuchen werde um einen schönen Sonnenuntergang zu bekommen. 

Tonquin Park und Tofino – Bummeln und Abendessen

Ganz war ich noch nicht fertig. Zum einen wollte ich heute etwas vernünftiges zu Abend essen und zum anderen gabs da noch ein Paar kleine Sachen die ich mir ansehen wollte. Und so fuhr ich vom Chesterman Beach bis hinein nach Tofino, jedoch zunächst zum Tonquin Park. 

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Tonquin Park – der Jucy
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Tonquin Park in Tofino

Ich wusste hier nun dass ich für heute genug Buchten und Strände gesehen hatte – zumindest was bei normalem Licht anging. Nicht lange hielt ich mich hier in dieser kleinen Bucht auf. Der Tonquin Park erstreckt sich über mehrere kleine Buchten und ist sicherlich nett anzuschauen – aber ich hatte dann heute doch eine Überdosis. Ich fuhr wieder rein nach Tofino um mich hier ein wenig umzuschauen. 

Ein kleines, malerisches Örtchen. Sehr touristisch gehalten und sehr bunt, vor allem was die Farben der Häuser angeht. Den Wagen hatte ich rasch geparkt und lief einige hundert Meter auf der Hauptstraße entlang um mal in die kleinen Lädchen reinzuschauen. Ich brauchte unbedingt Postkarten und Kühlschrankmagnete. Im Co-op Store wurde ich dann fündig. 

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Tofino – Anleger
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Tofino Harbor
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Tofino Harbor
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Tofino – viele bunte Häuschen
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Tofino Sushi Bar

Da ich aber immer noch hungrig war, suchte ich schnell auf dem Smartphone nach Restaurants. Die meisten würden “bald” schließen. Das waren ja tolle Aussichten…. Aber ! Das “Shed” hätte deutlich länger auf und hat bei Google viele sehr gute Bewertungen. Das hörte sich echt gut an. 

Ich suchte mir dort draußen auf der Terasse ein Plätzchen. Einige der Leute saßen unter Heizpilzen … ich konnte sie aber nach wenigen Minuten gut verstehen. Der Wind und ein wenig Schatten machten es direkt ungemütlich. Ich bestellte mir ein Bier, eine Coke, einen Burger mit frischem Lachs und einen kleinen Salat …. von all dem habe ich dummer Weise dann aber kein Foto gemacht. Die Teller waren toller zubereitet. 

Gestärkt und nach intensiver Nutzung des WiFi im “Shed” machte ich mich um ca. 20:15 Uhr auf den Weg zurück zum Chesterman Beach, denn ich hatte noch ein Rendevouz mit der Sonne.

Tofino Lights am Chesterman Beach

Dass der Wind am Chesterman Beach noch stärker war als am späten Nachmittag, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber es war so. Es brachte nichts draußen auf der Sandbank hin und her zu laufen um die Zeit tot zu schlagen – der Wind war so garstig und zog wie Hechtsuppe. Ich fror regelrecht!

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Tofino – Chesterman Beach – vor dem Sonnenuntergang
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Tofino – Chesterman Beach – Kite Surfer

Ich suchte mir seitlich an den Häusern die hier am Chesterman Beach stehen ein geschütztes Plätzchen auf einem Baumstamm und wartete eben rund eine Stunde bis es endlich losging. Aber ich hatte keine Langeweile. Ich schaute einem Mann zu wie er sein Kite-Segel vorbereitete. Sah leuten mit Fahrrädern zu wie sie versuchten am Strand vorwärts zu kommen. 

Das Licht wurde nun schnell schummriger und um 21:11 Uhr machte ich mich mit Stativ und Kamera dann hinaus auf die Sandbank und suchte mir ein Plätzchen wo ich auch ein wenig Vordergrund mit auf dem Foto haben würde. Da kam mir ein größerer Baumstamm ganz gelegen. Der Wind pfiff derart start dass sogar meine Hände eiskalt wurde und es mir schwer fiel die Kamera zu betätigen. 

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Tofino – Chesterman Beach Sonnenuntergang
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Tofino – Chesterman Beach Sonnenuntergang

Nach gerade Mal 17 Minuten war der Spuk vorbei. Wow. Am zittern aber happy hatte ich meine Fotos und das Licht das ich mir erhoffte im Kasten. Genau deswegen bin ich hier runter nach Tofino gefahren – für nur diesen einen Tag. Und es hat sich dermaßen gelohnt ! 

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Tofino – Chesterman Beach Sonnenuntergang – noch ein “Selfie”

Für heute hatte ich dann aber wirklich genug. Durch war am frieren und wollte nur noch auf den Campground. Ins Zeltdach verzog ich mich heute nicht. Ich ließ lieber ein wenig die Heizung laufen um dann drinnen im Auto zu schlafen. Leider hatte mir jemand mein Holz aus dem Feuerring geklaut. Solche Idioten …auf dem Zettel an der Campsite steht doch drauf wie lang man bleibt. Aber nein…einfach “bedienen”, wird schon keiner merken. 

Mit ein Paar Chips und einem letzten kühlen Drink verzog ich mich rasch ins aufgewärmte Auto und hörte noch eine Weile Musik bevor ich mich gegen 23 Uhr schlafen legte – ich war ziemlich müde – ein ereignisreicher Tag. 


 

Daten zu diesem Tag:

gefahrene MeilenGreen Point Campground
>Lighthouse Loop Trailhead
>Browns Beach Trailhead
>Kwisitis Visitor Center
>Rainforest Trail Trailhead
>Long Beach Unit
>Radar Hill
>Cox Bay
>Chesterman Beach
>Tonquin Park
>Tofino
> Chesterman Beach
> Green Point Campground

GESAMT:


22,4 Km
3,8 Km
18 Km
7,4 Km
7,6 Km
7,6 Km
4,5 Km
2,9 Km
7,5 Km
1,1 Km
6,0 Km
16,5 Km

106,3 Km
gelaufene MeilenLighthouse Loop
Artist Loop
Rainforest Trail
Cox Bay
Long Beach Unit
Chesterman Beach
Tonquin Park
Tofino
Chesterman Beach

GESAMT:
2,7 Km
5,2 Km
2,02 Km
0,2 Km
0,5 Km
1,5 Km
0,6 Km
0,7 Km
0,5 Km

~14 Km

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